Heute stand eine abenteuerliche Busfahrt von Sihanoukville nach Phnom Penh auf dem Programm. Ich war der erste, der ein Ticket für die heutige Busfahrt gekauft hatte. Und deshalb hatte ich mir den Platz Nummer 2 reserviert, ganz vorne, oben im Bus, wo man die beste Aussicht hat und zudem die Beine am besten strecken kann.
Nach dem Besteigen des Busses war mein Platz aber schon besetzt, von einer adleräugigen mittelalterlichen Giftnudel, die nun steif und fest behauptete, dies sei ihr Platz. Als ich mich auf die Suche nach der Platzanweiserin machte, stand sie auch auf und verschwand mit all ihrem Plunder grummelnd ein paar Reihen weiter hinten.
Mein Nebensitz wurde schliesslich von einer jungen kambodschanischen Mutter mit einem etwa Fünfjährigen und einer etwas 2-jährigen konstant schreienden süssen kleinen Tochter besetzt. Ich freute mich natürlich sehr.
Fünf Minuten nach der Abfahrt schlief die Kleine dann ein und war gar nicht mehr laut - nur noch süss.
Nach einer halben Stunde stürzte ein Fahrgast von den hinteren Reihen nach vorne, an mir vorbei, die Treppe herunter. Er erhielt einen Plastiksack und dann ging eine rund eineinhalb-stündige Kotzerei los. Der Typ unterhielt mit seinem Würgen, Ächzen, Stöhnen den ganzen Bus. War ein Säckchen voll, wurde es einfach aus dem Fenster geschmissen und so fort. Das ging so bis zur Mittagspause auf halber Strecke. Wir brauchten mit unserem Express-Bus für 115 km, rund 3 Stunden.
Die Pause nutzte unser Patient, indem er mit kräftigen Appetit eine fettige Schweinerei mit Reis vertilgte. Ob er wohl zu unserer Unterhaltung und Ergötzung engagiert wurde? Entgegen allen schlimmen Erwartungen blieb der Typ dann für den Rest der Fahrt auf seinem Sitz.
Dafür kotzte die Kleine ein halbe Stunde vor der Ankunft neben mir hemmungslos auf den Boden. Ganz Gentleman packte ich aus meinem Rucksack ein Päcklein Papiertaschentücher, damit die Sauerei wieder in Ordnung gebracht werden konnte.
In der Folge hatten die beiden Kleinen grosse Freude am Rest der Taschentücher. Dreilagige waren ihnen offenbar noch nie begegnet. Und so machten sie sich einen Spass daraus, den Rest der Packung in einzelne Lagen zu zerlegen und diese dann in kleine Fetzchen zu zerreissen, die sie dann in die Luft warfen. Leise rieselt der Schnee, sagte ich mir und betrachtete dies als Vorbereitung auf das kühlere Klima, das mich in der Schweiz ja erwartet.
Die letzte Nacht verbringe ich im Paragon-Hotel, das nur durch eine Strasse vom Mekong getrennt ist.
Hier ein paar Abendimpressionen von meinem Balkon aus (Bilder wie immer anklickbar):
Und auf dem Balkon das Aufgehen des Vollmondes über dem Mekong zu verfolgen, ist ein würdiger Abschluss meiner Reise.
... würdiger jedenfalls, als wenn man das Land in einem Sarg verlassen müsste. Das Geschäft ist nur ein paar Schritte von meinem Hotel entfernt.
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